veröffentlicht am 30.08.2026

Zweifleck-Schnake (Dictenidia bimaculata)

am Hühnersberg, Gemeinde Lendorf

bei Spittal/Drau, Kärnten nachgewiesen

 

Am 30.05.2026 informierte mich Herr Stefan PETUTSCHNIG über den Fund eines auffällig aussehenden Insekts mit langen Beinen. Er bemerkte das Tierchen auf einem Gartenhäuschen unter einem alten Apfelbaum am Hühnersberg, Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, Kärnten, auf 918 m Seehöhe. Ich fing das Tier nicht ein, fertigte aber sogleich einige Belegfotos von der hübsch gefärbten/gezeichneten Schnake an (siehe Abb. 1 und 2). 

 

 
Abb. 1: Durch ihre auffällige Färbung/Musterung ist die Schnake Herrn PETUTSCHNIG aufgefallen. Foto: W. EGGER

Abb. 2: Auf der Außenseite dieses kleinen Gartenhäuschens – direkt unter einem sehr alten Apfelbaum – befand sich das Tierchen. Foto: W. EGGER

 

Meiner Einschätzung nach müsste es sich um ein Weibchen der Zweifleck-Schnake (Dictenidia bimaculata) handeln. Die Weibchen dieser Art zeigen auf ihrem glänzend schwarzen Hinterleib meist leuchtend rotgelbe bis orangefarbene Flecken und Bänder. Auch die Beine sind teilweise orange bis gelbrot gefärbt. Sie erreicht eine Körperlänge von 11 – 20 mm. Das entscheidende und namensgebende Merkmal dieser Art stellen die beiden typisch angeordneten dunklen Flecken auf den durchsichtigen Flügeln dar (siehe Abb. 3).

 


Abb. 3: Alle in Frage kommenden Merkmale weisen meiner Einschätzung nach auf ein Weibchen der Zweifleck-Schnake hin. Foto W. EGGER

 

Dictenidia bimaculata zählt zur Familie der Schnaken (Tipulidae), von der es in Österreich rund 150 Arten gibt. Aus der Gattung „Dictenidia“ ist sie allerdings die einzige Art in Europa. Die Schnaken sind Teil der sehr großen Ordnung der Fliegen und Mücken (Zweiflügler). Für Menschen und Haustiere sind Schnaken vollkommen harmlos - sie können weder stechen noch beißen! Als Kinder nannten wir die Schnaken (speziell die relativ großen Kohlschnaken) in Unkenntnis der Tatsachen „Augenstecher“ und hatten daher doch einigen Respekt vor ihnen (siehe Abb. 4).

 

Die Verbreitung der Zweifleck-Schnake reicht von Europa bis in große Teile Asiens. Obwohl sie als weit verbreitet und häufig gilt, wird sie offenbar nur relativ selten gefunden. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in der versteckten Lebensweise. Als Larven leben sie vorwiegend im feuchten Totholz von Laub- und Mischwäldern sowie naturnahen Obstgärten. Die erwachsenen Tiere haben nur eine sehr kurze Lebensspanne von wenigen Tagen bis maximal zwei Wochen und trinken Nektar oder Pflanzensäfte. Sie sind von etwa Mai bis September aktiv, wobei sie in ihren Lebensräumen vermutlich leicht übersehen werden. Ein weiterer Grund für die gebietsweise mangelnde Erfassung dürfte wohl auch daran liegen, dass sich nur wenige Spezialisten mit dieser Tiergruppe befassen.

 


Abb. 4: Das Hochbiegen des Hinterleibs ist vermutlich ein Abwehr- oder Drohverhalten. Mit dieser „Angriffshaltung“ sollen wohl potentielle Feinde abgeschreckt werden. Foto: W. EGGER

 

In seiner Arbeit über Tipulidae (Schnaken) in Österreich aus dem Jahr 2011 erwähnt DI Peter VOGTENHUBER die Art für die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Steiermark und Tirol. Als „Neu für Osttirol und Kärnten“ wird die „Zweifleck-Schnake“ dann 6 Jahre später in folgender Arbeit genannt: „Beiträge zur Entomofaunistik 18: 117-143, Wien, Nov. 2017 – Vogtenhuber & Kofler“. Es handelt sich um vier Belege aus Osttirol und einen aus Kärnten. Diese wurden von Herrn Mag. Dr. Alois KOFLER aufgesammelt und von Herrn DI Peter VOGTENHUBER bestimmt. Beim Kärntner Nachweis wird vermerkt: „Eberndorf: „Sablatnig-Moor, Auwald-Gesiebe N 46°34,5', E 14°36', 480 m SH, 14.X.1989 10.I.1990, 2 ♀♀, mit Exuvie, ex larva.“. Ob seither weitere Funde in Kärnten gelungen sind, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls habe ich bei einer Internet-Suche keinen Hinweis darauf gefunden.

 

In der Zoologisch-Botanischen Datenbank Linz (ZOBODAT) werden mit Stand 23.08.2026 aus Oberösterreich 12 und aus Niederösterreich 5 Belege aufgelistet. Ein weiterer Beleg von Dictenidia bimaculata stammt aus der Steiermark.

 

Auf der Beobachtungs- und Bestimmungs-Plattform „iNaturalist“ sind per 23.08.2026 ebenfalls keine Funde in Kärnten verzeichnet. Die nächstgelegenen Fundstellen befinden sich laut dieser Plattform in Altenbach, Steiermark und nördlich von Laibach in Slowenien. Innerhalb Österreichs scheinen dort noch (teils unbestätigte) Nachweise in Salzburg, Oberösterreich, Wien und dem Burgenland auf.

 

Dank:
Ich darf mich bei Herrn Stefan PETUTSCHNIG, Hühnersberg, 9811 Lendorf, für die Fundmitteilung sehr herzlich bedanken!

 

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/3, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.