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Grabwespen

Veröffentlicht am 11.09.2025

Drei Nachweise der

Heuschrecken
s
andwespe
(Sphex funerarius) in Kärnten


Diese eindrucksvolle Grabwespenart breitet sich schon
seit längerer Zeit in
Ostösterreich aus und dürfte
zukünftig wohl auch in Kärnten und Osttirol vermehrt in
Erscheinung treten.

Über Funde am Hühnersberg, Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, in Neu-Feffernitz,
Gemeinde Paternion und
in Döbriach, Gemeinde Radenthein, wird hier berichtet.             


+ Nachtrag vom 22.09.2025
   (Nachweis in Obervellach)
+ Nachtrag vom 29.09.2026
   (Weitere Nachweise in Kärnten)

 

Beschreibung:
Die „Heuschreckensandwespe“ – auch „Große Heuschreckensandwespe“ genannt (Sphex funerarius) ist in der Literatur gelegentlich noch unter dem älteren lateinischen Namen „Sphex rufocinctus“ zu finden. Die Weibchen werden bis zu 25 (28) mm groß. Die Männchen sind etwas kleiner. Kopf, Fühler und Brust sind schwarz gefärbt; dann folgt ein Teil des Hinterleibs mit einer leuchtend rötlich-orangen Farbe und der restliche Hinterleib ist wieder schwarz. Die Beine der Weibchen weisen eine mehr oder weniger rötlich-braune Färbung auf. Besonders Kopf und Brust sind zumeist deutlich weißgrau behaart.

 
Abb. 1 + 2: Die Heuschreckensandwespe ist durch ihre Größe und Färbung eine eindrucksvolle Erscheinung. Linkes Foto: Walter EGGER. Rechtes Foto
:
© Roland RAUTER

 
Abb. 3 + 4: Eine Vergleichsmessung von zwei Hühnersberger Tieren ergab 23 und 27 mm Körperlänge. Beide Fotos: Walter EGGER


Abb. 5: Sphex funerarius in Seitenansicht. Die Erkennungsmerkmale sind gut zu sehen. Foto:
© Roland RAUTER

Verbreitung – Lebensraum – Lebensweise:
Diese wärmeliebende Insektenart breitet sich derzeit vom Mittelmeerraum kommend wieder bis ins nördliche Mitteleuropa aus. Ansonsten reicht die Verbreitung in östlicher Richtung bis zur Mongolei. Sie benötigt spärlich bewachsene, offene, sandige Lebensräume. Obwohl sie allein leben, bilden die Weibchen gerne Gemeinschaften und graben ihre Nesteingänge oft in enger Nachbarschaft. Nach Literaturangaben fliegen sie in zwei Generationen zwischen Mitte Juni und Anfang September. Die Weibchen errichten einen 10 bis 15 cm langen, schräg nach unten führenden Hauptgang, von dem bis zu 4 Seitengänge abzweigen. In diese werden dann jeweils 2 – 4 durch einen Stich gelähmte Langfühlerschrecken oder Grillen eingetragen und ein Ei dazugelegt. Die Larve schlüpft nach einigen Tagen und ernährt sich dann etwa 3 Wochen lang vom lebenden Vorrat. Der Nachwuchs der zweiten Generation spinnt sich danach zur Überwinterung in einen sehr widerstandsfähigen Kokon ein. Die erwachsenen Tiere ernähren sich übrigens vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Sie sind sehr friedfertig, wären beim Versuch, sie zu erfassen, aber in der Lage, uns zu stechen.

   
Abb. 6 + 7: In Neu-Feffernitz bildete Nektar von weißblütigem Oregano und in Döbriach Nektar von Minze die Nahrung der erwachsenen Grabwespen. Linkes Foto: © Klaus OTT.   Rechtes Foto: © Roland RAUTER


Bisherige Nachweise in Ostösterreich:
Nachdem die Heuschreckensandwespe in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zunehmend seltener wurde und in manchen Regionen Mitteleuropas sogar als „ausgestorben oder verschollen“ galt, geht es vor allem seit Beginn dieses Jahrhunderts mit den Beständen wieder aufwärts. Innerhalb Österreichs sind u.a. Nachweise aus Niederösterreich, Wien und dem Burgenland bekannt geworden. Noch 2013 wurde allerdings angenommen, dass diese Art „auf die wärmegeprägten, pannonischen Landesteile im Osten beschränkt“ bleiben würde. In der Zoologisch-Botanischen Datenbank Linz (ZOBODAT) werden mit Stand 05.09.2025 aus Wien 6 und aus Niederösterreich 3 Belege von Sphex funerarius aufgelistet.

 

Bisherige Nachweise in Kärnten und Osttirol:
Am 31.07.1996 wurde in Goritschach, Gemeinde Gallizien, Kärnten, am Drauufer in 400 m Seehöhe von Herrn P. A. W. EBMER ein Weibchen gesammelt und Herrn Dr. Josef GUSENLEITNER zur Bestimmung übermittelt. Es dürfte sich dabei wohl um den Erstfund von Sphex funerarius für Kärnten gehandelt haben. In der „Roten Liste gefährdeter Tiere Kärntens“ aus dem Jahr 1999 wird sie unter dem Namen „Sphex rufocinctus“ (ohne zusätzliche Angaben) erwähnt.

Im benachbarten Osttirol konnte am 05.07.2003 in Matrei ein Weibchen von St. SNÄLL aufgesammelt werden. Herr Mag. Dr. Alois KOFLER hat diesen Neufund für Tirol an Herrn Dr. Josef GUSENLEITNER weitergeleitet. Weitere Nachweise in Osttirol erbrachte im Sommer 2019 Herr Mag. Dr. Oliver STÖHR von der Naturkundlichen Arbeitsgemeinschaft Osttirol (NAGO) im Ausgrabungsareal Aguntum, Gemeinde Dölsach.

Aktuelle Funde in Kärnten:
Am Nachmittag des 17.08.2025 hörte Herr Michael EGGER jun. (bei Sonnenschein auf der Südseite des Wohnhauses in einem Liegestuhl befindlich) in unmittelbarer Nähe kurze wiederkehrende Summtöne. Als er sich umblickte, konnte er am Boden ein auffälliges Insekt beim Graben eines Loches und später beim Heranschleppen einer Langfühlerschrecke betrachten. Schon kurz nach meiner Informierung gelang die Bestimmung. Ich war über die Anwesenheit dieser Grabwespenart bei mr zu Hause überrascht und erfreut. Weitere Beobachtungen brachten folgendes Ergebnis: Ich konnte 4 Heuschreckensandwespen gleichzeitig vor dem Haus erkennen. 2 Exemplare waren auf der Südseite und 2 auf der Westseite mit Grabungstätigkeiten beschäftigt. Auch beim Einbringen einer Langfühlerschrecke konnte ich zusehen. Ich zählte auf der Süd- und Westseite des Hauses jeweils mindestens 10 Löcher, die von ihnen in den erdigen/sandigen Boden gegraben wurden. Die vorläufig letzte von mir festgestellte Aktivität fand am 02.09.2025 statt. Ich habe auf der Westseite ein am 01.09.2025 noch offenes Loch verschlossen angetroffen. Der Fundort der Heuschreckensandwespe befindet sich am Hühnersberg, Gemeinde Lendorf bei Spittal an der Drau, Kärnten, in 920 m Seehöhe.

 
Abb. 8 + 9: Diesen trockenen/sonnigen Lebensraum auf der Süd- und Westseite eines Gebäudes nützten die Heuschreckensandwespen, um dort Gänge und Brutkammern anzulegen. Beide Fotos: Walter EGGER

   
Abb. 10 + 11: Mindestens 20 Löcher wurden in den erdigen/sandigen Boden gegraben. Wie viele davon tatsächlich fertig gebaut und mit Langfühlerschrecken bzw. Grillen befüllt wurden, habe ich nicht überprüft. Beide Fotos: Walter EGGER

Am 01.09.2025 übermittelte mir Herr Klaus OTT 4 Fotos, auf denen ebenfalls die Heuschreckensandwespe zu erkennen ist. Herrn OTT glücken die Aufnahmen am 31.08.2025 bei ihm zu Hause im Garten neben dem Wohnhaus in Neu-Feffernitz, Gemeinde Paternion, Kärnten, in 520 m Seehöhe. Auf weißblütigem Oregano konnte er gleichzeitig 6 dieser Tiere beobachten. Weiters war auf einer südseitig des Hauses gelegenen sandig-erdigen Bodenfläche 1 Exemplar beim Graben zu sehen.

 
Abb. 12 + 13: Hier sind zwei der in Neu-Feffernitz beobachteten Tiere bei ihren Aktivitäten zu sehen. Beide Fotos: © Klaus OTT

Schließlich führte mich am 03.09.2025 das Profilbild von Herrn Roland RAUTER auf WhatsApp zu einem weiteren Vorkommen von Sphex funerarius. Es war darauf die Abbildung einer Grabwespe zu sehen. Zwecks genauerer Bestimmung bat ich um Übermittlung des Fotos. Die am 31.08.2025 bei ihm zu Hause in Döbriach am Millstätter See, Gemeinde Radenthein, Kärnten, in 605 m Seehöhe angefertigten Aufnahmen zeigten tatsächlich (wie auch schon von Herrn RAUTER so erkannt) eine Heuschreckensandwespe. An den Folgetagen gelangen ihm noch weitere Sichtungen und Fotos von jeweils einem Tier auf der Blüte von Minze (Mentha sp.). bzw. am gepflasterten Terrassenboden südseitig seines privaten Tiermuseums, wo zwischen den Pflastersteinen mehre Löcher in das sandige Material gegraben wurden. Die Grabarbeiten wurden auch noch am 06. und 07.09.2025 fortgesetzt.

 
Abb. 14 + 15: Die Heuschreckensandwespe(n) von Döbriach. Die Flügel diese Grabwespenart sind nicht glasklar, sondern etwas getrübt. Beide Fotos:
© Roland RAUTER

   
Abb. 16 + 17: Hoffentlich gibt es in den kommenden Jahren ein Wiedersehen mit dieser auffälligen Insektenart. Linkes Foto: Walter EGGER. Rechtes Foto: © Roland RAUTER

Ich bin davon überzeugt, dass die „Große Heuschreckensandwespe“ in geeigneten Lebensräumen inzwischen auch in weiteren Regionen Kärntens vorkommt. Über entsprechende Hinweise (mit Fotos) würde ich mich sehr freuen.

Dank:
Der besonderen Aufmerksamkeit von Herrn Michael EGGER jun., 9811 Lendorf, habe ich den unerwarteten Nachweis der Heuschreckensandwespe am Hühnersberg zu verdanken!

Für seine wertvolle Fundmeldung und die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Fotos gebührt Herrn Klaus OTT, Neu-Feffernitz, 9710 Paternion, ein herzliches Dankeschön!

Ebenfalls zu großem Dank verpflichtet bin ich Herrn Roland RAUTER, Seestraße, 9873 Döbriach. Ihm sind während stundenlanger Beobachtungen ausgezeichnete Fotos gelungen!

 

Nachtrag vom 22.09.2025

Heuschreckensandwespe auch in Obervellach im Mölltal gesichtet
Nach Veröffentlichung des obigen Berichtes übermittelte mir Frau Martina PUCHER mehrere Fotos einer Grabwespe. Nach genauer Betrachtung der Aufnahmen kam ich zum Ergebnis, dass darauf ebenfalls eine Heuschreckensandwespe zu sehen sein müsste. Die vollständig schwarz gefärbten Beine weisen auf ein Männchen hin. Frau PUCHER hat das/die Tierchen in ihrem Garten (vor allem beim Kräuterbeet) mehrmals gesehen und zwischen 05. und 08.07.2025 die Fotos aufgenommen (siehe Abb. 18 + 19). Die Fundstelle befindet sich in der Ortschaft Semslach (KG Söbriach, Gemeinde Obervellach, Kärnten) in 690 m Seehöhe.

 

 Abb. 18 + 19: Die Nahrung der erwachsenen Grabwespe(n) in Obervellach bildete u.a. Nektar von Mannstreu (Eryngium sp.) und weißblütigem Oregano (Origanum vulgare). Beide Fotos: © Martina PUCHER

Nachweise in der Steiermark und in Vorarlberg
Bei einer neuerlichen Internetrecherche konnte ich noch die folgenden zwei Fundhinweise aufspüren:

Von E. BREGANT & G. KLINGBERG erfolgte am 27.07.2000 In Meißl, Gemeinde Bad Gleichenberg (386 m Seehöhe) durch den Fund von 3 Männchen (Bezeichnung „Sphex rufocinctus") der Erstnachweis für die Steiermark.

Aufgrund einer Fotografie, die am 14.07.2020 von Klaus ELWISCHGER & Andrea HUBER in der Gänslestraße in Lustenau, 404 m Seehöhe (1 Ex. in Hausgarten beim Blütenbesuch) aufgenommen wurde, gelang Herrn Dr. J. Georg FRIEBE die Bestimmung und somit der Erstnachweis für Vorarlberg.

Noch eine kurze Ergänzung zum Nachweis in Osttirol vom Sommer 2019: Die Artbestimmung erfolgte durch Herrn Mag. Dr. Martin SCHWARZ (Leiter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Biologiezentrum Linz).

Übrigens: In der 1994 erschienenen „Roten Liste gefährdeter Grabwespen“ (von Mag. Dr. Hermann DOLLFUSS) war die Heuschreckensandwespe unter der lateinischen Bezeichnung „Sphex rufocinctus“ für Gesamtösterreich als „0“ (ausgestorben oder verschollen) eingestuft.

Dank:
Für die Mölltaler Fundbelege und die Erlaubnis zu deren Veröffentlichung danke ich Frau Martina PUCHER, Semslach, 9821 Obervellach, sehr herzlich! 

 

Nachtrag vom 29.09.2026

Weitere Nachweise in Kärnten – Ausbreitung schreitet voran

Nachdem der Jänner 2026 in unserer Gegend der kälteste Monat seit bald 10 Jahren war, rechnete ich eher nicht damit, die wärmeliebende Heuschreckensandwespe heuer wieder bei mir zu Hause anzutreffen. Immerhin gab es vor allem in der ersten Jännerhälfte eine markante Kältewelle mit strengen Frösten von bis zu – 15 Grad. Aber ich sollte mich täuschen.

Ab Anfang Juni begann ich bei den Flächen südlich und westlich des Wohnhauses auf Aktivitäten der Heuschreckensandwespe zu achten. Am 18. Juni 2026 konnte ich auf der Südseite dann ein erstes Weibchen beim Graben einer Röhre beobachten. In der Folge waren dann jeweils 2 bis 4 Weibchen gleichzeitig an drei Plätzen bei Grabarbeiten usw. zu sehen. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 2 neue „Kolonien“ (Südseite der Garage und Südseite des Geräteschuppens) dazu. Dagegen wurde die Westseite des Wohnhauses heuer nicht genutzt. Dort war im Frühling eine Schicht frischer Erde aufgetragen worden und diese Erde hatte beim Graben wohl noch nicht die erforderliche Stabilität.



Abb. 20: Erstmals am 18. Juni des heurigen Jahres konnte ich ein Weibchen der Heuschreckensandwespe beim Bau einer Brutröhre beobachten. Foto: W. EGGER

 

   
Abb.21 (links): Die Aktivitäten begannen auf der Südseite des Wohnhauses. Durch frisch aufgeschüttete Erde (am Foto links oben zu sehen) waren auf der Westseite des Hauses heuer keinerlei Grabarbeiten festzustellen. Foto: W. EGGER
Abb. 22 (Mitte): Ein neu entdeckter Brutplatz befindet sich auf der Südseite einer offenen Garage. Foto: W. EGGER
Abb. 23 (rechts): Auf der Südostecke eines überdachten Geräteschuppens war ein dritter Brutplatz anzutreffen.
Die besiedelten Plätze haben nur eine Größe von ca. 1 bis 3 m² und
sind zumindest teilweise überdacht. Foto: W. EGGER

   
Abb. 24 (links): Die Nesteingänge befinden sich oft in enger Nachbarschaft. Allerdings zeigen nicht alle fünf auf dem linken Foto zu sehenden Löcher eine fertige Brutröhre. Durch Hindernisse im Boden werden manche Bauversuche aufgegeben und an anderer Stelle ein neuer Anlauf unternommen. Foto: W. EGGER
Abb. 25 (Mitte) und 26 (rechts): Sobald die Brutkammern mit Proviant gefüllt und die Eier abgelegt sind, beginnt das Weibchen den Gang mit Sand und Steinchen fest zu verschließen und so vor Feinden abzusichern. Beide Fotos: W. EGGER

 

Die Aktivitäten hielten dann mit abschwächender Tendenz bis etwa Mitte Juli an. Danach waren bis Ende Juli nur mehr vereinzelt Heuschreckensandwespen an den drei Plätzen zu beobachten. Danach gelang mir trotz aufmerksamer Ausschau keine weitere Sichtung mehr.

In der Literatur ist von zwei Generationen pro Jahr die Rede. Diese Aussage dürfte für tiefer gelegene Bereiche (Klagenfurter Becken und wärmebegünstigte Hanglagen) durchaus zutreffen. In Höhenlagen über ca. 600 bis 700 Metern (?) fliegt aber jährlich – wie am Beispiel Hühnersberg zu sehen – offenbar nur eine Generation.

 

   
Abb. 27 bis 29: Da die
Weibchen gerne Gemeinschaften bilden und ihre Nesteingänge oft in enger Nachbarschaft graben, kommt es immer wieder zu nahen Begegnungen. Dabei konnte ich gelegentlich auch kurze körperliche Attacken beobachten, die aber stets ohne Verletzungen endeten. Alle drei Fotos: W. EGGER

 

Nun zu weiteren Fundhinweisen der Heuschreckensandwespe in Kärnten und dem übrigen Österreich:

Die schon im Vorjahr besiedelten Plätze in Neu Feffernitz/Gemeinde Paternion, Semslach/Gemeinde Obervellach und Döbriach am Millstätter See waren auch heuer bewohnt. Ich erhielt diesbezüglich verlässliche Informationen samt Fotos am 21.06.2026 von Herrn Klaus OTT, am 02.07.2026 von Frau Martina PUCHER und am 23.08.2026 von Herrn Roland RAUTER. Herzlichen Dank dafür!

 

   
 Abb. 30 bis 32: Zu sehen ist je ein Belegfoto der Heuschreckensandwespe aus Neu-Feffernitz, Semslach und Döbriach. Linkes Foto:
© Klaus OTT. Mittleres Foto: © Martina PUCHER. Rechtes Foto: © Roland RAUTER. Nochmals besten Dank für die Fundmeldungen!

 

Per E-Mail bekam ich am 27.08.2026 zudem eine fundierte Meldung aus Viktring bei Klagenfurt (ca. 450 m SH) und am 28.08.2026 einen sehr bemerkenswerten Fotonachweis aus Liesing im Lesachtal (ca. 1.050 m SH!).

 

Auf der Beobachtungs- und Bestimmungs-Plattform „iNaturalist“ sind per 23.09.2026 österreichweit 387 (teils noch unbestätigte) Nachweise der Heuschreckensandwespe verzeichnet. Gut 80 % davon stammen aus Wien und Niederösterreich. Der Rest verteilt sich auf alle übrigen Bundesländer. Bis 2020 waren die jährlichen Eintragungen noch einstellig. Zwischen 2021 und 2025 steigerten sich diese Einträge von 21 auf 107 pro Jahr. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich während dieses Zeitraums die Zahl der aktiven Nutzer/innen dieser Plattform von etwa 1500 auf rund 7500 verfünffachte.

Von den 387 genannten Einträgen entfallen 26 auf Kärnten; davon wiederum 8 auf den Bezirk Spittal/Drau: 01.08.2024 Millstatt am See, 26.08.2024 Kleblach-Lind, 30.07., 03.08. u. 15.08.2025 Seeboden, 18.08.2025 Reißeck, 25.06.2026 Seeboden, 02.07.2026 Reißeck.

Die 18 weiteren Kärntner Funde sind im Wesentlichen auf das Klagenfurter Becken (zwischen Villach – St. Veit/Glan – Griffen – Ferlach) verteilt. In Osttirol finden sich auf „iNaturalist“ 2 Einträge: 07.08.2022 Nußdorf, 12.07.2026 Alt-Debant.
 

 
Abb. 33 (links): Ein Weibchen von Sphex funerarius mit der gelähmten Beute bei einer Zwischenlandung im Gras. Foto: W. EGGER
Abb. 34 (rechts): Auch andere Grabwespen sind manchmal zu beobachten. Auf dem Foto ist rechts eine Heuschreckensandwespe und links eine deutlich kleinere Art aus der Gattung Tachysphex beim Transport einer Heuschrecke zu sehen. Foto: W. EGGER

 
Abb. 35 und 36: Die gelähmte Beute (in diesem Fall ein Männchen der Gewöhnlichen Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera) wird bis kurz vor das Nest geschleppt und dort abgelegt. Dann läuft das Weibchen in den Gang und zur Brutkammer, um alles nochmals genau zu kontrollieren. Erst danach kommt es wieder heraus und zieht das Beutetier hinein. Beide Fotos: W. EGGER

 

Meine Schlussfolgerung aus all diesen Angaben für Kärnten lautet: Die Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius) hat vor allem in den letzten Jahren begonnen, viele geeignete Lebensräume in unserem Bundesland zu besiedeln. Inzwischen scheint es schon einigermaßen stabile Bestände zu geben. Auch höher gelegene sonnseitige Bereiche um 1000 m Seehöhe kommen als Lebensraum in Frage, wobei dort aber offenbar nur eine Generation pro Jahr fliegt. Die Tierchen überleben selbst markante Kältewellen mit strengen Frösten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ausbreitung in Kärnten (und wohl auch im übrigen Österreich) weiter voranschreiten wird.

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/3, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.