veröffentlicht am 12.08.2026 

 

Weiße  Bindenpelzbiene (Amegilla quadrifasciata)

in Obervellach, Mölltal, Kärnten gesichtet!?

 

+ Nachtrag vom 12.09.2026
(Nachweis gelungen - Neufund für Kärnten)

 

Eine auffällig gefärbte/gezeichnete Biene besuchte am 22.07.2026 im Garten von Frau Martina PUCHER die Blüten des Schmetterlingsflieders (Buddleja davidii). Frau PUCHER war gerade dabei, Schmetterlinge zu fotografieren, als ihr dieses markante Insekt ins Auge stach (Abb. 1). Auf den Fotos, die sie mir sogleich übermittelte,  war offensichtlich eine Bindenpelzbiene (Amegilla sp.) zu sehen (siehe Abb. 2 und 3). Die Fundstelle befindet sich in der Ortschaft Semslach (KG Söbriach, Gemeinde Obervellach, Kärnten) in 690 m Seehöhe.

 


Abb. 1: Beim Fotografieren dieses Distelfalters ist Frau PUCHER die ungewöhnlich aussehende Biene aufgefallen. Rechts im Flug ist übrigens eine „Asiatische Mörtelbiene“ (Megachile sculpturalis) zu sehen.  Foto: © Martina PUCHER

 

   
Abb. 2 und 3: Die Bindenpelzbiene saugt mit ihrem langen Rüssel Nektar aus den Schmetterlingsflieder-Blüten. Beide Fotos: © Martina PUCHER

 

Nun ging es darum, zu versuchen, die Art zu bestimmen. In Mitteleuropa kommen 4 Arten aus der Gattung der Bindenpelzbienen (Amegilla) vor. Aufgrund von Größe, Färbung und Zeichnung dürfte es sich sehr wahrscheinlich um die „Weiße Bindenpelzbiene (Amegilla quadrifasciata) handeln. Ausschlaggebend für diese Annahme ist die Färbung/Zeichnung des Hinterleibes. Bei der Weißen Bindenpelzbiene soll nach Literaturangaben der Hinterleib im Gegensatz zur Braunen Bindenpelzbiene (Amegilla garrula) sofort ab dem ersten Segment rein schwarz-weiß gebändert sein. Dies trifft meiner Ansicht nach auf das Obervellacher Exemplar zu (siehe Abb. 4 und 5).

 

   
Abb. 4 und 5: Die schwarz-weiße Bänderung ab dem ersten Hinterleibssegment soll das entscheidende Erkennungsmerkmal der Weißen Bindenpelzbiene (Amegilla quadrifasciata) darstellen. Beide Fotos: © Martina PUCHER

 

Die vier mitteleuropäischen Bindenpelzbienen gehören zur Familie der „Echten Bienen“ (Apidae). Da die Bindenpelzbienen eine sehr starke Ähnlichkeit mit den Pelzbienen (Gattung Anthophora) aufweisen, wurden sie bis 1988 auch dieser Gattung zugeordnet. Während die Braune Bindenpelzbiene lt. dem 2016 erschienenen „Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas“ im Burgenland, der Steiermark und Kärnten (23.08.1989, Völkermarkt) vorkommt, ist die Weiße Bindenpelzbiene zuletzt in den Jahren 1935 bis 1940 in Niederösterreich und dem Burgenland gemeldet worden. Seither galt sie in Österreich als verschollen und wurde erst 2025 in Weiden am See, Burgenland wieder nachgewiesen. In der 2023 erschienenen „Roten Liste gefährdeter Tiere Kärntens“ ist übrigens nur „Amegilla garrula“ angeführt.

 

Auf der Beobachtungs- und Bestimmungs-Plattform „iNaturalist“ sind mit Stand 09.08.2026 in Kärnten bisher 6 Beobachtungen (Juli 2025 u. Juli 2026) aus der Gattung Amegilla (darunter 3 x konkret die Art Amegilla garrula) verzeichnet. Weitere Sichtungen stammen aus dem Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark und Tirol einschließlich Osttirol. Bei Betrachtung der Kärntner Funde scheint es mir nicht ganz ausgeschlossen zu sein, dass z.B. die Belegfotos von Feichtendorf (14.07.2026) und Oberdorf (14.07.2026), Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, eventuell auch eine „Weiße Bindenpelzbiene“ zeigen könnten?? Das oben erwähnte Merkmal (Hinterleib sofort ab dem ersten Segment rein schwarz-weiß gebändert) ist auf den Fotos allerdings nicht so eindeutig erkennbar.

 

 
Abb. 6 und 7:
Links die Bindenpelzbiene gemeinsam mit dem Distelfalter beim Blütenbesuch und rechts im schnellen Flug. Beide Fotos: © Martina PUCHER

 

Die Weiße Bindenpelzbiene ist in Süd-, Mittel- und Osteuropa verbreitet. Sie erreicht eine Körperlänge von 12 – 15 mm und lebt als Einzelgänger auf sonnigen, trockenwarmen Standorten mit spärlicher Vegetation, wo sie ihre Erdnester graben kann. Als Nahrung dienen ihr Pollen von verschiedenen Pflanzenfamilien. Sie bildet üblicherweise nur eine Generation pro Jahr und fliegt von Juni bis September.

 

Es wird spannend zu verfolgen sein, ob es sich bei dem Obervellacher Nachweis tatsächlich um die „Weiße Bindenpelzbiene“ (Amegilla quadrifasciata) handelt und gegebenenfalls damit ein Neufund für Kärnten gelungen ist. Ich werde in einem Nachtrag darüber berichten.

 

Dank:
Ich darf mich bei Frau Martina PUCHER, Semslach, 9821 Obervellach, für die Fundmeldung und für die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Fotos sehr herzlich bedanken.

 

 

Nachtrag vom 12.09.2026

 

Bei der am 22.07.2026 von Frau Martina PUCHER in Obervellach im Mölltal fotografierten Biene handelt es sich tatsächlich um die „Weiße Bindenpelzbiene“ (Amegilla quadrifasciata) und damit um einen Neufund für Kärnten!

 

Nach Veröffentlichung des obigen Berichts fragte ich bei zwei der Autoren des Kapitels „Bienen“ der „Roten Liste gefährdeter Tiere Kärntens“ (erschienen 2023) an, wie sie den Fund einschätzen bzw. zu welchem Bestimmungsergebnis sie gelangen.

 

Von Herrn MMag. Dr. Johann NEUMAYER erhielt ich am 31.08.2026 folgende Antwort:
„…
Ich habe zwei Kollegen gefragt und miteinander haben wir die gleiche Einschätzung. Das Tier sieht ziemlich nach A. quadrifasciata aus. ….. Wir können nicht ganz ausschließen, dass durch die nicht ganz optimale Beleuchtung die Binden vielleicht doch bräunlich sind und es Amegilla garrula ist. ….. Obwohl also der optische Eindruck auf quadrifasciata hindeutet, können wir das nicht ganz sicher bestätigen. ….. Und aus der Erfahrung mit der Hummelbestimmung via Fotos sind wir inzwischen bei Handyfotos etwas vorsichtig, was die Farben angeht. …“

 

Herr Lorenz Wido GUNCZY, BSc, antwortete am 10.09.2026 wie folgt auf meine Anfrage:
„…
Die von Frau Pucher fotografierte Art würde ich auch der Art Amegilla quadrifasciata zuordnen, weniger wegen den weißen Binden, das kann auf Fotos und je nach Alter des Tiers oft täuschen, sondern wegen der Behaarung an der Außenseite der hinteren Metatibia. Die ist bei A. garrula hell und bei A. quadrifasciata schwarz. ….. Es ist wirklich spannend, dass die Art so weit inneralpin auftaucht. Es wäre interessant zu wissen ob A. quadrifasciata bereits entlang der Drau zahlreicher vorkommt. …..“
(Anmerkung: Mit „Metatibia“ ist die Schiene/der Unterschenkel des Hinterbeins gemeint.)

 

Außerdem Hat Frau Martina PUCHER am 02.09.2026 eine Google-Suche mittels KI-Modus durchgeführt. Sie verwendete dabei folgende drei Fotos mit der Fragestellung, ob es sich auf den Fotos um die Weiße oder um die Braune Bindenpelzbiene handelt (siehe Abb. 8 – 10).

 

   
Abb. 8 – 10: Diese drei Fotos hat Frau PUCHER der „KI“ zur Bestimmung vorgelegt. Alle drei Fotos: © Martina PUCHER

 

Hier das Bestimmungsergebnis der „Künstlichen Intelligenz“ (KI):
„Auf dem Foto ist eindeutig die Weiße und nicht die Braune Bindenpelzbiene zu sehen. Das lässt sich mit absoluter Sicherheit an zwei Merkmalen erkennen:
Der Hinterleibs-Ansatz (Tergit 1): Der oberste Teil des Hinterleibs (direkt nach dem braunen Brustpelz) ist lackschwarz und komplett nackt. Bei der Braunen Bindenpelzbiene wäre dieser Bereich fließend dicht rotbraun behaart.
Die Streifen: Die Querbinden auf dem Hinterleib sind schneeweiß und messerscharf vom schwarzen Körper abgegrenzt. Bei der Braunen Bindenpelzbiene sind diese Streifen eher schmutzig-gelb, cremefarben oder ockerbraun.
Es ist also ein wunderschönes Exemplar der Weißen Bindenpelzbiene!"

 

Aufgrund all dieser Informationen – vor allem aber wegen der klaren und eindeutigen Aussage von Herrn GUNCZY - war es meiner Meinung nach gerechtfertigt, hier im Nachtrag ein Bestimmungsergebnis zu veröffentlichen.

 

Dank:

Ich darf mich bei Herrn MMag. Dr. Johann NEUMAYER, 5161 Elixhausen, Salzburg, sowie bei Herrn Lorenz Wido GUNCZY, MSc, Europaschutzgebietsbetreuer beim Land Steiermark, ganz herzlich für ihre aufschlussreichen Anfragebeantwortungen bedanken!

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/3, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.