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Glastropfen

 

Der Glastropfen von Freßnitz -

 

künstlich geschaffen (Kelten, Römer, …) oder ein Moldavit?

 

 Fundumstände

Am Vormittag des 15. März 1998 hatte ich gerade die Kontrolle des Amphibienschutzzaunes in St. Peter in Holz/Freßnitz (Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, Kärnten) beendet. Da es kühl und windig war, befand sich kein Frosch in den eingegrabenen Kübeln. Anschließend schaute ich noch kurz bei der angrenzenden Baustelle vorbei. Dort wurde eben begonnen, den Grund für ein Firmengebäude auszuheben. Beim Blick auf das Aushubmaterial erregte ein kleines grünliches Steinchen meine Aufmerksamkeit. Ich hob es auf und stellte fest, dass es sich um ein „tropfenförmiges“ unbeschädigtes Glasstück handelt. Um vielleicht später einmal Näheres über dieses interessante Fundstück herauszufinden, nahm ich es mit nach Hause. Dort „ruhte“ es dann 13 Jahre lang in meiner kleinen naturkundlichen Sammlung.

 

Form – Größe – Farbe - Härte

Das Gebilde hat eine längliche tropfenähnliche Form, ist 19 x 8 mm groß (siehe Abb. 1 – 4), grünlich gefärbt (siehe Abb. 5) und ritzt Glas! Ich habe den Ritzversuch auf einem Fenster- und einem Gurkenglas durchgeführt. Es blieb jeweils ein feiner (sicht- und spürbarer) Kratzer zurück! Möglich wäre allerdings, dass auf dem gereinigten "Glastropfen" doch noch Quarzstaub anhaftet und die Ritzung verursacht?

 

 

 Abb. 1 – 4: Der Glastropfen in vier verschiedenen Ansichten. Fotos: W. Egger

 

 

Abb. 5: Zum besseren Farbvergleich sind auch einige grüne und blaue Buntstifte abgebildet. Foto: W. Egger

 

Moldavit

Im Vorjahr erwarb ich das 2009 erschienene Buch „Moldavit“ von Dipl. Geol. Thomas DEHNER. Darin wird ausführlich und gut verständlich über die Entstehung, das Alter, die Fundvorkommen und das Aussehen der Moldavite informiert. Moldavite zählen zur Gruppe der Tektite und sind beim Einschlag eines Meteoriten im Nördlinger Ries (Bayern) vor etwa 14,5 Millionen Jahren entstanden. Beim ersten Kontakt mit der Erdoberfläche wurde damals wahrscheinlich Material auf über 1.400 Grad Celsius erhitzt und mit einer Geschwindigkeit von 5.000 bis 15.000 km/h mehrere hundert Kilometer in östliche Richtung herausgeschleudert! In diesen Gegenden (heute Deutschland, Tschechien und auch Österreich) „regnete“ es daraufhin Moldavite.

Herr Dipl. Geol. DEHNER ist übrigens mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten: http://www.moldavit.de

 

Sollte es sich bei dem Glasobjekt von Freßnitz tatsächlich um einen Moldavit handeln, dann müsste er erst nachträglich dorthin gelangt sein. Die Täler Oberkärntens wurden seit dem Einschlagereignis ja bekanntlich mehrmals durch eiszeitliche Gletschermassen ausgeräumt.

 

Was sagen die Experten?

Herr Dipl. Geol. Thomas DEHNER, dem ich im Vorjahr die Fundangaben samt Fotos übermittelte, meint in seiner Antwort, dass Form und Oberfläche durchaus zu einem Moldavit passen würden. Die Farbe wäre allerdings sehr untypisch, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen. Sollte es ein Moldavit sein, dann könnte er seiner Meinung nach nur durch Menschenhand zum Fundort gelangt sein. Auch die Härte macht ihn stutzig. Auf jeden Fall ist vor einer genauen Untersuchung (eingeschlossene Schlieren, Gasbläschen, …) keine gesicherte Aussage möglich.

Auch Herrn Univ.-Prof. Dr. Christian KÖBERL (Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Naturhistorischen Museums Wien), einen hervorragenden Kenner der Materie, habe ich um seine Einschätzung gebeten. Es erscheint ihm auf Grund der Farbe, Transparenz und Struktur höchst unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Glasobjekt um einen Moldaviten handelt. Endgültige Schlüsse könnten aber erst nach chemischen Untersuchungen gezogen werden, so Dr. KÖBERL.

 

Ich habe vorerst keine weiteren Schritte zur abschließenden Klärung unternommen. Nach diesen Antworten scheidet für mich ein Moldavit aber doch mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit aus.

 

Bleibt die Frage, was ist es dann?

Ist es der Rest/der Abfall einer Glasproduktion während der Kelten- oder Römerzeit im benachbarten Teurnia? Stammt das Glasstück aus dem Mittelalter oder gar aus der Neuzeit? Ich hoffe, diese Frage kann eines Tages beantwortet werden. Vielleicht haben Sie, geschätzte Leser/innen dieses Beitrages, einen Hinweis zur Klärung parat. Es würde mich freuen!

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/2, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!