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Fanghaft

 

 

Steirischer Fanghaft

 

(Mantispa styriaca) –

 

 

fünfmaliger Nachweis am Hühnersberg,

 

Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, Kärnten

 

 

 

 

 

 + Nachtrag vom 31.07.2020

 

 

Am 04.07.2020 gelang die inzwischen fünfte Beobachtung dieser außergewöhnlichen und seltenen Insektenart am Hühnersberg.

 

 

Abb.1 u. 2: Zwischen Fanghaft (li.) und Gottesanbeterin (re.) besteht keinerlei Verwandtschaft. Gemeinsam sind ihnen jedoch die zu Fangorganen umgewandelten Vorderbeine. Fotos: W. EGGER

 

Bereits 1996 habe ich im „Stadt FÄCHER Spittal – Monatsblatt für Kultur, Tourismus und Kommunikation“ (März/April-Ausgabe) unter dem Titel „Begegnungen mit der Tierwelt Oberkärntens“ neben der „Höhlenschrecke“ und dem „Deutschen Skorpion“ auch den „Steirischen Fanghaft“ kurz vorgestellt. Hier nun nochmals die damalige Beschreibung:

 

Steirischer Fanghaft
Der Steirische Fanghaft
(Mantispa styriaca) – ein Netzflügler - gehört zu den Insekten. Sein Aussehen und seine Entwicklung sind überaus bemerkenswert. Die Vorderbeine sind als hochspezialisierte „Fangarme“ ausgebildet und ähneln denen der Gottesanbeterin. Durch blitzschnellen Zugriff dieser Fangbeine erbeutet der Fanghaft kleine Insekten, vor allem Fliegen. Mit einer Körperlänge von 15 bis 20 mm und einer Flügelspannweite von 30 bis 40 mm ist dieses gelblichbraun gefärbte Tierchen jedoch wesentlich kleiner und unscheinbarer als die ebenfalls in Kärnten vorkommende Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Das Verbreitungsgebiet des Steirischen Fanghaft (eigentlich einer südeuropäischen Tierart) erreicht noch die östlichen und südlichen Bundesländer Österreichs. Innerhalb Kärntens wurde er bisher lediglich in der Umgebung Klagenfurts und im unteren Lavanttal gefunden. Umso überraschender war für mich deshalb der zweimalige Nachweis (25.8.86 und 31.8.91) dieses seltenen Netzflüglers am Hühnersberg/Gemeinde Lendorf.

Zur Entwicklung: Die zunächst am Boden lebende, sehr bewegliche Larve dringt nach der Überwinterung in den Eikokon der Wolfsspinne ein und wandelt sich dort bei der nächsten Häutung in eine madenartige Larve um. Diese frisst die Spinneneier und verpuppt sich danach innerhalb des Kokons. Aus der auffallend beweglichen Puppe, die inzwischen den Kokon verlassen hat, schlüpft dann im Sommer das fertig entwickelte Insekt.

 

Diese Beschreibung aus dem Jahre 1996 hat im Allgemeinen noch immer seine Gültigkeit. Einige Ergänzungen möchte ich aber doch hinzufügen. Außerdem sind am Fundort Hühnersberg seither noch drei weitere Nachweise hinzugekommen.

 

 

Abb. 3: Fanghafte zählen – wie z.B. auch Kamelhalsfliegen, Ameisenjungfern und Florfliegen - zur Ordnung der Netzflügler (Neuroptera). Foto: W. EGGER

 

Von den weltweit etwa 400 vorkommenden Arten aus der Familie der Fanghafte (Mantispidae) leben in Mitteleuropa lediglich zwei Arten. Bei uns (Kärnten, Steiermark, Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich) wurde bisher nur der „Steirische Fanghaft“ nachgewiesen. Seine Erstbeschreibung erfolgte durch den österreichischen Insektenkundler Nicolaus Poda von Neuhaus im Jahre 1761. Mantispa styriaca bevorzugt sehr trockene und warme Lebensräume. Klimatische Veränderungen (Erwärmung) dürften in den letzten Jahren eine Ausbreitung dieses Netzflüglers begünstigt haben. Durch das Verschwinden artenreicher Trockenlebensräume gilt der Steirische Fanghaft aber auch weiterhin als gefährdet. Er zählt laut Kärntner „Tierartenschutzverordnung“ außerdem zu jenen freilebenden Tieren, die samt all ihren Entwicklungsformen weder mutwillig beunruhigt, verfolgt, verletzt oder getötet werden dürfen!

 

 

Abb. 4 u. 5: Der Steirische Fanghaft verwendet seine Fangbeine, wenn notwendig auch zur Fortbewegung (li.) oder zur Abwehr bei Bedrohungen (re.). Fotos: W. EGGER

 

Bisherige Nachweise in Kärnten:

Den Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten (Carinthia II, 174./94. Jahrgang 1984, 189./109. Jahrgang 1999, 194./114. Jahrgang 2004) ist zu entnehmen, dass der Steirische Fanghaft bisher an folgenden Kärntner Örtlichkeiten nachgewiesen wurde:

 

Glainacher Wiese bei Ferlach, 14.06.1946
Klagenfurt – Sattnitz, 27.06.1946
Maiernigg bei Maria Wörth, 22.06.1953
Viktring bei Klagenfurt, 11.08.????, 15.07.1954
Tschachoritsch bei Köttmannsdorf, August 1979
St. Andrä im Lavanttal, 23.08.1981 od. 1991?
Köttmannsdorf, Juli 1990
St. Paul im Lavanttal – Rabenstein, 05.07. u. 06.08.1993
Klagenfurt – Annabichl, 06.07.1996
Ulrichsberg – Kollerwirt, 10.10.1998
Görtschach bei Krumpendorf, 25.08.1998
Dellach am Wörthersee, Sommer 2003
Hühnersberg bei Spittal/Drau, ohne Datum

 

Die genannten Fundorte befinden sich (mit Ausnahme vom Hühnersberg) alle im Klagenfurter Becken bzw. im Unteren Lavanttal. Ob es nach 2003 weitere Funde in Kärnten gab, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls habe ich seither keine weiteren Veröffentlichungen darüber gefunden.

 

Nun zu den fünf Nachweisen am Hühnersberg, Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, Kärnten:

Am 25.08.1986 sah Frau Ingrid EGGER auf der Innenseite der verglasten Balkontüre des Wohnhauses ein eigenartiges Tierchen. Sie informierte mich sogleich über ihre Entdeckung. Ich fing das mir vorerst noch unbekannte Wesen vorübergehend ein. Dann begann ich in meiner seinerzeit noch sehr bescheidenen Bestimmungsliteratur nachzublättern. Alsbald wurde ich im Buch „Die Natur Kärntens – Band 2“ fündig. Zwecks Fundmitteilung nahm ich anschließend mit dem damaligen Leiter der zoologischen Abteilung am Landesmuseum Kärnten – Herrn Dr. Paul MILDNER – Kontakt auf. Das war der Beginn eines regen Informationsaustausches, der bis zu seinem viel zu frühen Tod im Jahre 2008 andauerte.

 

 

Abb. 6 u. 7: Drei der fünf Hühnersberger Nachweise von Mantispa styriaca gelangen im Bereich dieses Wohnhauses (li.). Der räuberisch lebende Fanghaft (re.) ist tag- und nachtaktiv. Seine Beute besteht vorwiegend aus anderen Insekten. Foto: W. EGGER

 

Der nächste Fund glückte am 31.08.1991 Frau Sabine EGGER zwischen Stallgebäude und Garage. Sie bemerkte auf einem im Freien am Boden liegenden weißen Leinenstoff den Fanghaft und machte mich umgehend darauf aufmerksam. Ich fing das Tier ein und gab es zusammen mit einem Zweig und drei Fliegen in ein Rexglas (Einmachglas). Vor der Freilassung konnte ich noch beobachten, wie der Fanghaft eine Fliege erbeutete und sie teilweise auffraß.

 

 

Abb. 8 u. 9: Die Flugeigenschaften von Mantispa styriaca werden als nicht besonders gut beschrieben. Das rechte Bild zeigt eine Detailansicht der Netzflügel. Fotos: W. EGGER

 

Eine weitere Beobachtung gelang mir am 22.06.1996 um ca. 13:00 Uhr auf der nordseitigen Außenmauer des Wohnhauses. Das Tierchen suchte dort vermutlich vor starkem Regen Schutz. Bis 20:00 Uhr hatte der Fanghaft sich nur 25 cm weiter hinter die Dachrinne bewegt. Während der folgenden Nacht ist er offensichtlich einer Spinne zum Opfer gefallen. Ich fand ihn am Morgen eingesponnen und tot bei der an die Dachrinne angrenzenden Zeitungsbox.

 

 

Abb. 10 u. 11: Fast alle bisherigen Fanghaft-Sichtungen in Kärnten gelangen während der Monate Juni, Juli und August. Fotos: W. EGGER

 

Der nächste Nachweis war am 04.07.2000 zu verzeichnen. Auf der Innenseite einer Fensterscheibe der oberhalb der Garage befindlichen Werkstatt entdeckte ich erneut einen lebenden Steirischen Fanghaft. Nach Anfertigung einiger Fotos entließ ich ihn wieder in die Freiheit.

 

 

Abb. 12: Die Vorderbeine sind zu hochspezialisierten dornenbewehrten „Fangarmen“ umgewandelt. Foto: W. EGGER

 

Nach einer Unterbrechung von 20 Jahren war es am 27.06.2020 endlich wieder soweit. Herr Lukas EGGER bemerkte außen am Fliegengitter eines Fensters auf der Nordseite des Wohnhauses das Insekt und informierte mich umgehend über seine Sichtung einer „kleinen Gottesanbeterin“. Ich war sehr erfreut, nach so langer Zeit wieder einen Steirischen Fanghaft zu erblicken. Vor seiner Freilassung im angrenzenden Obstgarten fotografierte ich ihn noch ausgiebig.

 

  

Abb. 13 u. 14: Auf diesem Fliegengitter (li.) hat Herr Lukas EGGER den Steirischen Fanghaft entdeckt.  An seinem Hinterleibsende (re.) sind deutlich noch einige Hautreste zu sehen, die von der letzten Häutung stammen, bei der sich das Tier von der Nymphe zum fertigen Insekt entwickelt. Fotos: W. EGGER

 

 

Abb. 15 u. 16: Der Steirische Fanghaft im Portät (li.). Seine Körperlänge beträgt 16 mm (re.). Fotos: W. EGGER

 

 

Abb. 17 u. 18: Zwischen 1986 und 2020 gelangen auf diesem landwirtschaftlichen Anwesen in 922 m Seehöhe fünf Nachweise des seltenen Netzflüglers (li.). Der Steirische Fanghaft hält sich gerne auf der Unterseite von Laubblättern auf. Hier ist er nach seiner Freilassung im Obstgarten zu sehen (re.). Fotos: W. EGGER

 

Dank:

Ich möchte mich bei Frau Ingrid EGGER, Seeboden, Frau Sabine EGGER, Hühnersberg und Herrn Lukas EGGER, Hühnersberg, ganz herzlich für ihre Fundmitteilungen bedanken!

 

 


Nachtrag vom 31.07.2020

 

 Zwei weitere Funde am Hühnersberg

 

Nach Veröffentlichung des obigen Berichtes erhielt ich zwei weitere Fundmeldungen vom Hühnersberg. Da der Fanghaft in Kärnten so gut wie unbekannt ist, gingen die beiden Finder vorerst von der Sichtung einer kleinen Gottesanbeterin aus.

 

 Mitte Juni 2019 wurde am Rande einer Wiese auf einer einzelnstehenden Esche (Blattunterseite) ein Steirischer Fanghaft entdeckt. Auffällig an dem Tier waren vor allem die Fangbeine und so dachte der Finder zunächst an eine Gottesanbeterin. Der Fundort befindet sich am Hühnersberg auf 1000 Meter Seehöhe (siehe Abb. 19).

 

 
Abb.19: So sieht die Umgebung des Fundortes aus. Sie bietet offenbar einen geeigneten Lebensraum für das seltene Insekt. Es handelt sich bei dieser Aufnahme um ein Orthofoto mit Flugdatum 14.06.2019. © KAGIS – Land Kärnten

 

Ebenfalls am Hühnersberg sah am 23.07.2020 Herr Ronald STEINACHER auf der Innenseite des Wohnzimmerfensters ein Tierchen mit Fangbeinen und fotografierte es vor der Freilassung (siehe Abb. 20). Auch für Herrn STEINACHER war erst nach Durchsicht meines Artikels klar, dass sein „Besucher“ ein Steirischer Fanghaft war. Der Fundort liegt auf einer Seehöhe von 700 Metern.

 


Abb. 20: Die ausgezeichnete Aufnahme zeigt den am Wohnzimmerfenster gefundenen Fanghaft. Foto: © Ronald STEINACHER

 

Es ist also auch andernorts durchaus wahrscheinlich, dass es sich bei der einen oder anderen vermeintlichen Sichtung einer Gottesanbeterin in Wirklichkeit um den Fund von Mantispa styriaca handelt bzw. gehandelt hat! Über weitere Fundhinweise – vor allem aus dem Raum Oberkärnten – würde ich mich sehr freuen!

 

Dank:

Für die Fundmeldung und die Erlaubnis zur Verwendung des Fotos darf ich mich bei Herrn Ronald STEINACHER, Hühnersberg, Gemeinde Lendorf, herzlichst bedanken!

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/3, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!