Gottesanbeterin

 

Gottesanbeterin           


(Mantis religiosa)

 

Nachweise im Bezirk

 

Spittal an der Drau, Kärnten

 

 

 

Die Europäische Gottesanbeterin zählt wohl zu den faszinierendsten Insekten unserer Heimat (siehe Abb. 1 bis 4). Sie ist die einzige Vertreterin der Fangschrecken in Mitteleuropa. Ihre nächsten Verwandten sind übrigens nicht die Heuschrecken, sondern Schaben und Termiten. Sie erreichen eine Körperlänge von bis zu 75 mm (Weibchen) und bis zu 60 mm (Männchen).

 

 

 

Abb. 1 und 2: Gottesanbeterinnen haben ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Die Färbung kann variieren. Bei uns kommen vorwiegend grünliche, aber (zunehmend?) auch bräunliche Exemplare vor. Diese Tiere können sich angeblich nach jeder Häutung der Umgebung farblich neu anpassen.

Linkes Foto :© Michael Egger.   Rechtes Foto: © Thomas Walder

 

 


 Abb. 3 und 4: Besonders auffällig sind die zu sehr effektiven Fangapparaten umgebildeten Vorderbeine.
 Linkes Foto: © Bernhard Huber.  Rechtes Foto: W. Egger

 

In Kärnten wurde 1909 in Feistritz im Rosental erstmals ein Exemplar gesichtet. Danach blieb es sehr lange Zeit bei nur gelegentlichen Einzelmeldungen. 1984 erschien in der Carinthia II (174./94. Jahrgang, Seite 397 – 412) ein Artikel von Prof. Dr. Wilfried Robert FRANZ über die Verbreitung der Gottesanbeterin in Kärnten. Darin wurden die wenigen bis zu diesem Zeitpunkt erbrachten Nachweise nochmals aufgelistet und das erstaunliche Ergebnis einer Befragung von über 3000 Schülern präsentiert. Demnach sollte die Gottesanbeterin in Kärnten deutlich weiter verbreitet sein, als bis dahin angenommen. Allein im Bezirk Spittal/Drau wurden über 10 Fundorte aufgelistet. Ich suchte in der Folge an einigen dieser genannten Örtlichkeiten (insbesondere im Raum Spittal – Lurnfeld – Millstätter See) intensiv, aber leider vergeblich nach diesen Tieren.

Selbst auf einer im Jahre 2012 von Mag. Dr. Andreas KLEEWEIN, Helga HAPP und Dr. Christian WIESER veröffentlichten Verbreitungskarte (Carintia II, 202./122. Jahrgang, Seiten 81 – 90, „Verbreitung der Gottesanbeterin Mantis religiosa in Kärnten – Aktueller Stand zur Etablierung einer wärmeliebenden Spezies“) ist im Bezirk Spittal/Drau noch kein Fundpunkt eingezeichnet. Ein im Sommer 2012 ausgestrahlter ORF-Beitrag in „Kärnten Heute“ über die Gottesanbeterin – verbunden mit einem Aufruf zur Meldung von Sichtungen – erbrachte weit über 100 aktuelle Nachweise, jedoch noch immer keinen einzigen aus dem Bezirk Spittal an der Drau.

In Osttirol (Leisach) glückte kurz vor 2010 die erste Sichtung. Je ein weiterer Nachweis folgte 2011 in Bannberg bei Assling und 2015 am Eingang zum Debanttal. Ob diese Tiere von Osten (Kärnten) oder von Süden (Südtirol) kommend in Osttirol eingewandert sind, bleibt vorerst ungeklärt.

2002 gelang der Erstnachweis in Oberösterreich. Bei dem 2007 in Vorarlberg gesichteten Exemplar dürfte es sich vermutlich um ein eingeschlepptes oder ausgesetztes Tier gehandelt haben. In Nordtirol und Salzburg wurden bisher noch keine Funde getätigt.

Zurück nach Oberkärnten. Im August 2018 erhielt ich (nach Vermittlung durch Herrn Stefan Petutschnig) von Herrn Martin Lexer, Neu-Feffernitz, Aufnahmen einer in Gummern (Gemeinde Weißenstein, Bezirk Villach Land) von ihm fotografierten grünen Gottesanbeterin. Auch im Sommer 2019 konnte er diese Insektenart an der ziemlich gleichen Stelle wieder antreffen und ablichten (siehe Abb. 5 und 6). Im November 2018 erfuhr ich in der Volksschule Spittal Ost von der dort unterrichtenden Lehrerin, Frau Claudia Walder, dass bei ihr zu Hause in Olsach (Gemeinde Spittal/Drau) 2017 1 Ex. und Mitte/Ende Oktober 2018 sogar 2 Ex. auf der Hausmauer zu sehen waren (siehe Abb. 7 und 8). Eine Lehrerkollegin berichtete gleichzeitig von einer weiteren Sichtung auf einem Rosenstrauch im Sommer 2018 am „Fratres“ (Gemeinde Spittal/Drau).

 

 

 

Abb. 5 und 6: Diese beiden Aufnahmen (links 2018 und rechts 2019) zeigen Mantis religiosa auf einem Werksgelände in Gummern.

Beide Fotos: © Martin Lexer

 

 

 

Abb. 7 und 8: Die am 13.10.2017 auf einer Hausmauer in Olsach entdeckte braune Fangschrecke.

Beide Fotos: © Thomas Walder

 

Über Vermittlung von Frau Elisabeth Kabusch erfuhr ich am 01.10.2019 von der Beobachtung einer Gottesanbeterin in Seeboden. Ich nahm mit der Finderin, Frau Susi Tiller, Kontakt auf und konnte so bei einem Besuch am 13.10.2019 erstmals in Kärnten eine Gottesanbeterin persönlich in Augenschein nehmen. Es war ein grün gefärbtes Weibchen mit rund 7 cm Körperlänge, das auf einer Hauswand saß und eine angebotene Spinne blitzschnell fing und sogleich verspeiste (siehe Abb. 9 bis 14). Das Tier hielt sich übrigens vom 01.10. bis zumindest 18.10.2019 mit nur kurzen Unterbrechungen auf dieser Hauswand auf.

 

 

 

Abb. 9 und 10: Trotz ihrer beachtlichen Körperlänge sind Gottesanbeterinnen für Menschen nicht gefährlich.
Linkes Foto: © Michael Egger.  Rechtes Foto: W. Egger

 

 


Abb. 11 und 12: Als Beute kommen vor allem verschiedenste Insektenarten und gelegentlich auch Spinnentiere in Frage. Hier ist sie beim Verzehr einer Gartenkreuzspinne zu sehen.
Beide Fotos: © Bernhard Huber

 

Insgesamt gesehen gibt es eindeutige Belege für eine zunehmende Ausbreitung dieser wärme- und trockenheitsliebenden Fangschrecke in Österreich. Die schon längere Zeit zu beobachtenden klimatischen Veränderungen tragen dazu sicher wesentlich bei. Da Gottesanbeterinnen angeblich bis zu 100 km weit fliegen können, ist das plötzliche Auftauchen einzelner Tierchen auch weit abseits stabiler Vorkommen jederzeit möglich.

 

 

 

Abb. 13: Die Größe ist wirklich eindrucksvoll!

Foto: © Michael Egger

 

 

 

Abb. 14: Ein Porträt der Seebodner Gottesanbeterin.

Foto: © Bernhard Huber

 

Besonnte Waldränder, Brachflächen, wenig bewirtschaftete Halbtrocken- und Trockenrasen auf südseitigen Hängen mit eingestreuten Büschen und Sträuchern sowie naturnahe Kleingärten in Seehöhen bis ca. 1000 m können ihr einen günstigen Lebensraum bieten.

Gottesanbeterinnen laden zu höchst interessanten und spannenden Beobachtungen ein (siehe Abb. 15 und 16). Sie sind für den Menschen völlig ungefährlich und sollten unbedingt geschont werden!

 

 

 

Abb. 15 und 16: Auf der Innenseite der Vorderhüften befinden sich schwarz-weiße Flecken. In Bedrängnis nimmt die Gottesanbeterin eine Drohhaltung ein und zeigt dabei zur Abschreckung diese „Augenflecken“.
Linkes Foto: W. Egger.  Rechtes Foto: © Martin Lexer

Es wird spannend zu beobachten sein, ob diese faszinierende Tierart auch im Bezirk Spittal/Drau stabile Populationen bilden kann. Sollte es übrigens noch weitere Funde im Raum Oberkärnten geben oder in den letzten Jahren gegeben haben, dann bitte ich um eine kurze Mitteilung.

 

Dank

Für diverse Informationen, Fundmeldungen und überlassene Fotos darf ich folgenden Personen ganz herzlich danken:

Herrn Martin LEXER, Neu-Feffernitz. Er lieferte mir Fotos und Angaben zu zwei Funden in Gummern.
Herrn Stefan PETUTSCHNIG, Lendorf. Er erfuhr vom Fund in Gummern und vermittelte ihn an mich weiter.
Frau Claudia WALDER, Olsach. Sie informierte mich über die zumindest zweimalige Sichtung von Gottesanbeterinnen in ihrem Wohnort Olsach bei Spittal.
Herrn Thomas WALDER, Olsach. Von ihm stammen die Aufnahmen des Tieres aus Olsach.
Frau Elisabeth KABUSCH, Mühldorf. Sie leitete die von ihrer Bekannten aus Seeboden erhaltenen Informationen und Fotos betreffend den dortigen Fund einer Fangschrecke an mich weiter.
Frau Susi TILLER, Seeboden. Sie gestattete das Betreten ihres Grundstücks und gab die Erlaubnis zum Fotografieren der Gottesanbeterin. Sie sorgte auch für das „leibliche Wohl“ des Tieres.
Herrn Bernhard HUBER, Obermillstatt und Herrn Michael EGGER, Kolbnitz. Beide Herren begleiteten mich zum Fundort in Seeboden und stellten mir bereitwillig ihre Fotoausbeute zur Verfügung.

Allen nochmals meinen allerbesten Dank!

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/3, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!