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Bienenwaben

 

Wildbau von Bienenwaben

 

auf Fichte

 

Bienenvolk errichtete am Hühnersberg

 

(Gemeinde Lendorf bei Spittal/Drau, Kärnten)

 

einen Naturbau im Freien

 

 

Die Honigbienen unserer Heimat benötigen zur Überwinterung einen geschützten Platz. Diesen bieten ihnen unsere Imker in den dafür vorgesehenen Bienenstöcken. Sollte allerdings im Frühsommer ein Bienenschwarm entwischen, sucht dieser in der freien Natur eine geeignete „Wohnung“. Diese muss das ganze Jahr hindurch trocken bleiben und vor Wind, Regen und Schnee sicher sein. Es sind dies zumeist Hohlräume in alten Bäumen, kleine Felshöhlen oder Zwischenräume in Gebäudewänden (siehe Abb. 1 bis 2).

 

 

Abb. 1 und 2: Hohle Baumstämme werden von Honigbienen-Schwärmen gerne zum Nestbau genutzt. Diese alte Fichte stand im Bereich „Reifling“ (Gemeinde Lendorf; auf dem Weg zur „Wunderblume“) und war vermutlich bis 2012 (oder 2013?) bewohnt. Zum Zeitpunkt der Beobachtung (09.06.2013) lag der zerschnittene Baum am Boden und es waren keine Bienen zu sehen. Fotos: W. Egger

 

Wenn so ein Bienenschwarm im Frühsommer aus dem Stock fliegt, lässt er sich zunächst in der Nähe nieder. Dann beginnen Kundschafterinnen (auch Spurbienen genannt) die weitere Umgebung nach geeigneten Plätzen für den Nestbau abzusuchen. Sobald sich eine zunehmende Anzahl von Kundschafterinnen klar für einen Ort entschieden hat, bricht der ganze Schwarm schließlich dorthin auf. Eine solche Örtlichkeit kann oft mehrere Kilometer von ihrem heimatlichen Bienenstock entfernt liegen. So nistete sich z.B. im Sommer 2014 in einem Hohlraum der Außenwand am Karl-Volkert-Haus auf 2150 m Seehöhe ein Bienenscharm ein. Der Ortsteil Winkl (Gemeinde Heiligenblut) liegt immerhin rund 4 km entfernt. Sollten diese Bienen allerdings von Salzburger Seite (Ferleiten, Gemeinde Fusch an der Glocknerstraße) über das Hochtor gekommen sein, so müssten sie sogar rund 15 km zurückgelegt haben. Laut Angaben eines örtlichen Imkers soll es sich bei diesem Bienenvolk nämlich um die nördlich der Alpen noch gebietsweise vorkommende „Dunkle Biene“ (Apis mellifera mellifera) gehandelt haben.

 

Den Wildbau am Hühnersberg im Sommer 2014 hat höchstwahrscheinlich die bei uns heimische „Kärntner Biene“ (Apis mellifera Carnica) errichtet (siehe Abb. 3 bis 5). Die Honigbienen sind staatenbildende Fluginsekten und gehören zu einer Gattung aus der Familie der Echten Bienen. Neben der Honigbiene leben in Österreich übrigens noch mehr als 650 Arten von Wildbienen!

 

 

Abb. 3 bis 5: Hier sind drei der vielen toten Bienen aus dem Hühnersberger Wildbau zu sehen. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die in Kärnten hauptsächlich vorkommende Carnica-Biene. Fotos: W. Egger

 

Wie kam es nun zum Wildbau der Bienenwaben auf einer Fichte am Hühnersberg?

Es muss wohl zwingende Gründe (ungünstige Witterung zum Zeitpunkt des Schwärmens? Kundschafterinnen fanden kein geeignetes Versteck? …..?) gegeben haben, denn sonst hätte das Volk nicht im Freien mit dem Nestbau begonnen. Unter der schützenden Krone einer jungen Fichte wurden die Waben an einem Ast befestigt (siehe Abb. 6). Der Bauplatz lag sonnseitig auf 770 m Seehöhe in einer Waldlichtung. Dort konnten die Bienen dann unbehelligt einen schönen Naturwabenbau errichten und ihn bis spät in den Herbst hinein bewohnen (siehe Abb. 7 bis 10).

 

 

Abb. 6: Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, wie die Waben am Fichtenast (einschließlich der kleinen Seitenästchen) befestigt wurden. Durch das Absägen und den Transport haben sich die Waben allerdings schon etwas vom Hauptast gelöst. Foto: W. Egger

 

 

Abb. 7: Auf einer der in Bildmitte zu sehenden jungen Fichten befand sich der Bienenwaben-Wildbau. Foto: W. Egger

 

 

Abb. 8 bis 9: Diesen ungewöhnlichen, ja fast exotischen Anblick bot die Fichte vor der Entfernung der Bienenwaben. © Fotos: V. Hartlieb

 

Solche Wildbauten im Freien sind recht selten zu sehen. Einem erfahrenen Imker aus Zelsach (Gemeinde Trebesing) ist in den vielen Jahren seiner Tätigkeit nur ein Mal ein Naturbau im Freien begegnet. Bei einem Ausflug mit Imker-Kollegen in die Steiermark hat er dann ein weiteres Mal ein solches Gebilde zu Gesicht bekommen. Aus Deutschland gibt es Berichte von Freilandfunden aus dem Jahre 2006 (auf einem drei Meter hohen mit Waldrebe bewachsenen Maschendrahtzaun bei Stuttgart), 2009 (auf einem Ahornbaum in Berlin) und 2011 (auf einem Kirschbaum in Hangenham, Gemeinde Marzling in Bayern). Wenn auch Sie Bienenwaben im Freien entdeckt haben, würde ich mich über Ihre Fundmeldung (wenn möglich mit Foto, Ortsangabe und Datum) sehr freuen und in einem Nachtrag darüber berichten.

 

Am 26. November 2014 wurde „unser" Bienenwaben-Wildbau auf einer Fichte entdeckt und der Ast, auf dem die Waben befestigt waren, abgeschnitten. Innerhalb der Waben befanden sich noch zahlreiche tote (wahrscheinlich verhungerte?) Bienen (siehe Abb. 10). Noch am selben Tag erfuhr ich vom Fund und konnte das interessante Bauwerk in Augenschein nehmen (siehe Abb. 11 bis 14).

 

 

Abb. 10: Im Mittelteil der Waben befanden sich noch zahlreiche tote Bienen. Da es bis zum Fundzeitpunkt noch keinerlei strenge Fröste gab, dürfte wohl Nahrungsmangel der Grund für ihren Tod gewesen sein.         © Foto: V. Hartlieb

 

 

Abb. 11 bis 14: Die Naturbau-Bienenwaben nach der Abnahme vom Fichtenbaum in verschiedenen Ansichten. Fotos: W. Egger

 

Dank

Für diverse Hinweise und Informationen sowie die Fundort-Fotos darf ich folgenden Personen herzlich danken:

Herrn Ernst HARTLIEB, Hühnersberg. Er barg den Wildbau und benachrichtigte mich telefonisch vom Fund;

Frau Victoria HARTLIEB, Hühnersberg. Sie nahm die Fotos vom Fundort (vor der Bergung) und ein Detailfoto (tote Bienen zwischen den Waben) auf;

Herrn Franz PODESSER, Fresach. Von ihm stammt die Anregung, mich über diesen besonderen Fund zu informieren;

Herrn Johann WÖLSCHER sen., Zelsach. Bei einem Gespräch erfuhr ich von seiner schon lange zurückliegenden Sichtung eines Waben-Wildbaues auf einem Nadelbaum in Zelsach;

Herrn Konrad MARIACHER, Heiligenblut. Von ihm erhielt ich die Informationen zum Bienenfund am Karl-Volkert-Haus.

 

 Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/2, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!