Wespenspinne

 

Wespenspinne, Argiope bruennichi, seit 40 Jahren in Kärnten

 

Der Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:

- Erste Beobachtung der Wespenspinne vor 40 Jahren

- Ergebnisse einer Bestandskontrolle im Sommer 2012

- Derzeitige Verbreitung in Kärnen

- Höhenverbreitung und Höhenrekord

- Ausbreitung in Europa seit 1901

- Ist die Wespenspinne für Menschen gefährlich?

 

 

 

Vor genau 40 Jahren gelang die früheste bisher bekanntgewordene Beobachtung einer Wespenspinne in Kärnten. Es war Dr. Franz NORDEN, der am 7. August 1972 im Sumpfbereich des Turner Sees diese auffällige Spinnenart sah und auch fotografierte (Abb. 1). Danke an dieser Stelle für die Erlaubnis, das Bild nochmals zu veröffentlichen!

 

 

Abb. 1: Weibchen einer Wespenspinne mit dem Kopf nach unten in der Mitte des Netzes (Normalstellung). Das für Wespenspinnen-Netze typische zickzackförmige Gespinstband ist hier deutlich zu sehen. Es kann manchmal aber auch fehlen. Foto: F. NORDEN, 07.08.1972

 

Herr Dr. med. univ. Franz NORDEN wurde 1923 in Unter-Krupa/CSR (ehem. Tschechoslowakische Republik) geboren und lebt seit 1961 in Kapfenberg. Er war vorwiegend in der Steiermark als ausgezeichneter Feldornithologe tätig (u.a. Veröffentlichungen über Brutnachweise von Zwergschnäpper, Weißrückenspecht, Zippammer und Haselhuhn) und ist Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten.

Nur wenige Jahre danach hat Herr Dr. Robert EDER im Raum Sachsenburg eine Wespenspinne gefunden und sie in Kunstharz konserviert. Dieses Präparat wurde mir 1992 freundlicherweise von seiner Mutter, Frau Dr. Roberta DRESSLER, Sachsenburg, überlassen (Abb.2).

 

 

Abb. 2: Die Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von Dr. Robert EDER in Kunstharz konservierte Wespenspinne. Foto: W. EGGER

 

Die weitere Besiedlungsgeschichte unseres Bundeslandes bis zum Jahre 1994 ist in drei Artikeln der

„Carinthia II“, dem Publikationsorgan des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten, nachzulesen:

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/CAR_179_99_0275-0279.pdf

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/CAR_182_102_0367-0370.pdf

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/CAR_185_105_0201-0204.pdf

 

Bestandskontrolle 2012

Ich habe den Umstand, dass vor 40 Jahren die Erstbeobachtung einer Wespenspinne in Kärnten gelang, zum Anlass genommen, heuer (nach 17jähriger Unterbrechung) wieder eine stichprobenartige Bestandserhebung durchzuführen. Zu diesem Zweck kontrollierte ich im August 2012 insgesamt 55 Standorte zwischen Winklern (Iselsberg) im Westen und Völkermarkt im Osten. Es waren dies vorwiegend kleine Brachflächen entlang der Verkehrswege.

Durch einschlägige Literatur, Beobachtungen in meiner näheren Umgebung und mittels der von Frau Helga HAPP (Reptilienzoo Happ, Klagenfurt) gesammelten Fundmitteilungen, die sie mir dankenswerterweise alljährlich übermittelte, habe ich die Entwicklung dieser Spinnenart auch in den vergangenen 17 Jahren nicht aus dem Auge verloren.

 

Derzeitige Verbreitung in Kärnten

Von den 55 überprüften Örtlichkeiten waren 39 besiedelt (eine davon in Osttirol). Zur Bestandsdichte: Nur jeweils 1 Exemplar auf 19 Flächen, 2 – 5 Ex. auf 10 Flächen, 6 – 10 Ex. auf 3 Flächen, 11 – 20 Ex. auf 2 Flächen, über 20 Ex. auf 5 Flächen. Die fünf Standorte mit den größten Bestandsdichten befanden sich im Bereich Penk/Mölltal, Maria Bichl/Lurnfeld (Abb.3), Afritz am See/Gegendtal, Köttwein/Gegendtal,   Tiffen/Ossiacher See. Übrigens: Im Gegendtal konnte ich bis 1994 keine Wespenspinnen feststellen.

 

 

Abb. 3: Ein idealer Lebensraum.  Mit über 40 Wespenspinnen zählte Maria Bichl (Lendorf bei Spittal/Drau) im Jahre 2012 zu den Standorten mit der größten Bestandsdichte. Foto: W. EGGER

 

Weite Bereiche der Tal- und Hanglagen besiedelt

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wespenspinne noch immer große Bereiche der Tal- und Hanglagen Kärntens besiedelt. Gebietsweise (z.B. Gegendtal) hat sie sich inzwischen weiter ausgebreitet. Es gibt nur wenige Regionen, wo ich sie noch nicht angetroffen habe (z.B. nördliches Liesertal). Bei intensiverer Suche dürfte sie aber auch dort zu finden sein? In der Umgebung von Gmünd ist sie immerhin schon seit 1991 und im benachbarten Lungau seit 1999 dokumentiert.

Auch die von Herrn Mag. Dr. Christian KOMPOSCH (ÖKOTEAM Graz) erstellte Karte mit über 50 Nachweisen bestätigt die erwähnte weiträumige Verbreitung in Kärnten (Karte 1). Besten Dank für die Erlaubnis zur Veröffentlichung dieser Karte!

 

 

Verbreitungskarte: Auf ihr sind alle von Herrn Mag. Dr. KOMPOSCH bis zum 19.09.2012 gesammelten Nachweise dargestellt. Karte: Chr. KOMPOSCH

 

Bemerkenswert ist, dass die Wespenspinne heuer vielerorts nur ganz vereinzelt auftat. So habe ich bei rund 50 % der von mir kontrollierten besiedelten Flächen nur jeweils 1 Ex. gesichtet! Wie die Besiedlungsgeschichte seit 1988 zeigt, kommt es – so wie bei vielen anderen wild lebenden Tierarten – auch bei der Wespenspinne im Lauf der Jahre zu beträchtlichen landesweiten oder zumindest regionalen Bestandsschwankungen. Zuletzt dürfte es 2003 ein stärkeres Auftreten gegeben haben. Frau Helga HAPP berichtet in ihrem Artikel „Zoologische Besonderheiten im heißen Sommer 2003“ (Carinthia II, 194./114. Jahrgang, Seiten 191 – 208, Klagenfurt 2004) von einer auffallend großen Zahl von Mitteilungen an den Reptilienzoo Happ. So wurden ihr von Anfang August bis Mitte September 353 Exemplare von 150 Fundorten gemeldet!

 

Höhenverbreitung - Höhenrekord

Die Höhenverbreitung der Wespenspinne reicht vielerorts bis knapp über 1000 Meter Seehöhe. Schon bei meinen Erhebungen 1988 und 1991 traf ich Exemplare in dieser Höhenlage an. Durch die im Frühling stattfindende Windverdriftung der Jungspinnen mittels Spinnfäden („Fadenballons“) erreichen diese Tiere aber immer wieder weit höher gelegene Regionen, wo sie aber wohl nur selten längere Zeit überleben dürften.

Ich fotografierte vor einigen Jahren eine Wespenspinne auf 1.230 Meter im Gemeindegebiet von Lendorf bei Spittal/Drau. Am 12. August 2012 gelang mir der Fund eines für die Jahreszeit außerordentlich kleinen Weibchens auf der Villacher Alpe (Dobratsch) in der Nähe des Rosstrattenstüberls auf 1.735 m Seehöhe (siehe Abb. 4 u. 5). Den bisherigen Höhenrekord hält nach meinen Informationen ein Wespenspinnen-Männchen, das von Herrn Mag. Dr. Christian KOMPOSCH am 27.08.2000 auf der Mussen in 1.770 Meter Seehöhe nahe der Seiwald-Hütte entdeckt wurde. Der Fund gelang ihm im Zuge von Forschungsarbeiten für das Buch „Paradieslilie und Höllenotter – Bergwiesenlandschaft Mussen“ (herausgegeben vom Amt der Kärntner Landesregierung im Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten im Jahre 2002). Ich bin schon gespannt, ob noch höher gelegene Funde bekannt werden.

 

 

Abb. 4: Die Wespenspinne von der Villacher Alpe. Das Tier war ausnehmend klein und deshalb noch wie eine Jungspinne gefärbt/gezeichnet. Foto: W. EGGER, 12.08.2012

 

 

Abb. 5: Die Fundstelle auf 1.735 Meter Seehöhe im nicht beweideten Gras des Wegrains. Im nebeligen Hintergrund der Dobratsch. Foto: W. EGGER

 

Ausbreitung der Wespenspinne in Europa seit 1901

Die wärmeliebende Wespenspinne hat in den zurückliegenden einhundert Jahren – vor allem in den letzten Jahrzehnten - ihr Verbreitungsgebiet rasch und stark ausgeweitet. Beschränkte sich ihr Lebensraum anfänglich auf das Mittelmeergebiet und einige Wärmeinseln in Mitteleuropa, findet sich diese Spinnenart nunmehr fast flächendeckend in Europa. Sogar bis nach Norwegen und Finnland ist sie inzwischen vorgedrungen.

Dazu ist 2011 unter Federführung von Frau Dr. Sabrina KUMSCHICK (Schweiz) eine sehr informative und ausführliche Darstellung mit dem Titel „Rasche Ausbreitung der Wespenspinne Argiope bruennichi in Europa: eine Folge des Klimawandels?“ (leider nur in englischer Sprache) erschienen:

http://ftpshare.its.unibe.ch/iee/pub/7/2011/996.pdf

 

Schon eine vertraute Erscheinung?!

Bei uns in Kärnten dürfte die auffallend gezeichnete/gefärbte Wespenspinne für die meisten Menschen inzwischen eine vertraute Erscheinung darstellen. Auch die von den Weibchen im August und September angefertigten und gut getarnten Eikokons haben sicher schon viele gesehen (Abb. 6).

 

 

Abb. 6: Die etwa zwei cm großen ballonförmig aussehenden Kokons können mehr als 300 Eier beinhalten. Ein Weibchen baut zumeist mehrere solcher gut getarnter Kokons in der näheren Umgebung des Netzes. Foto: W. EGGER

 

Eine ungefährliche Spinne!

Obwohl die Größe der erwachsenen Weibchen und die sehr an die Warntracht der Wespen erinnernde Zeichnung durchaus respekteinflößend sein können, ist die Wespenspinne eine - auch für Kinder - ungefährliche Spinne! Sie ist eine sehr friedliche, beißunlustige Art, deren Gift darüber hinaus für den Menschen harmlos ist. Mir sind jedenfalls bisher keine Bisse bzw. allergische Reaktionen bekannt geworden. Ich selbst habe schon dutzende Exemplare in Händen gehalten, ohne gebissen worden zu sein (Abb.7).

 

 

Abb. 7: Sie brauchen vor der sehr friedlichen, beißunlustigen Wespenspinne keine Angst haben! Foto: W. EGGER

 

Verfasser: Walter EGGER, Hühnersberg 12/2, 9811 Lendorf; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!